Interview

Unser New Work Profi – Joan Hinterauer im Talk

B.Complete versteht New Work als Werkzeugkasten voller Ideen und Instrumente zum Thema zukunftsorientiertes Arbeiten. Unsere Mission ist, klein- und mittelständischen Betrieben diese Überlegungen näher zu bringen und gute Tools, Konzepte und Lösungen anzubieten. Denn jedes Investment in eine motivierte und glückliche Belegschaft macht sich um ein Vielfaches in Produktivität und damit Unternehmenserfolg bezahlt.

Joan Hinterauer ist selbstständiger Unternehmer aus Salzburg. Er hat es sich zum Ziel gesetzt Organisationen und Leader bei der Transformation zu New Work tauglichen Arbeitsweisen zu begleiten. Dazu hat er über die Jahre hinweg das #AdaptiveOrg Framework entwickelt – sein Werkzeug. Wie das alles im Projektalltag Anwendung findet und wer sich hinter der Person Joan Hinterauer verbirgt erfahrt ihr in unserem Artikel.

Wer bist du und wie gestaltet sich deine aktuelle Tätigkeit?

Mein Name ist Joan Hinterauer und ich bin Unternehmer sowie Komplize von Unternehmer:innen und ihren Organisationen, die einen positiven Impact in der Welt erzeugen.

Als Vordenker, und vor allem Vormacher, im Kontext New Work und Selbstorganisation biete ich ein eigenes Organisationsmodell bzw. Kultur-Framework an, die #AdaptiveOrg. Ich bin ein Verfechter von Fairness, Gleichberechtigung und Kollaboration und wende diese Prämissen in verschiedensten Bereichen meines Lebens an. Zudem bin ich Teil des Gründungsteams einer SaaS-Lösung für die dynamische Verwaltung von Kooperationen mit dem Ausblick, damit in Zukunft virtuelle Gründungen zu ermöglichen.

Im Privaten bin ich stolzer Vater von zwei Kindern, die ich mit meiner wunderbaren Frau Maria begleiten darf. Sport ist für mich der wichtigste Ausgleich, ich spiele leidenschaftlich gerne Tennis und etwas Fußball.

Wie bist du zu dem gekommen, wie bist du zu deiner jetzigen Selbstständigkeit gekommen?

15 Jahre lange habe ich an die klassische Karriere geglaubt. Immer auf der Suche nach mehr Einfluss und Wirksamkeit habe ich mich „hochgearbeitet“. Meine Motivation war dabei, es besser zu machen wie meine Chefs und Führungskräfte. In meiner Wahrnehmung haben diese oftmals mehr zerstört wie unterstützt. Doch als ich bei einem Mittelständler in der Geschäftsführung angekommen war, kam die große Ernüchterung. Bei den Mitarbeitenden war das Bild eines Geschäftsführers so eingefahren, dass sie mir mit Misstrauen begegneten. Wenn ich einen Raum betrat, drehten sich die Menschen weg. Oder sie tuschelten. Und in Gesprächen bekam ich kein offenes Feedback mehr, alles wurde abgenickt. Dabei hatte ich zu denselben Menschen vorher eine fast freundschaftliche Beziehung. Doch die Beförderung zerstörte das in kürzester Zeit. Ich war enttäuscht, mein Plan war gescheitert.

Als ich nach wenigen Monaten in der Geschäftsführung meine Kündigung einreichte, nahm ich mir eine Auszeit. In dieser fiel mir zufällig das Buch Reinventing Organizations in die Hand. Es verlieh meinem Leben eine steile Wendung. Beim Lesen der 12 Geschichten über Unternehmen, die sich der Selbstorganisation verschrieben haben, begann der Draht zwischen meinem Hirn und meinem Herz vor Begeisterung zu glühen. Ich folgte dem Rat des Autors und wurde Holacracy Coach. Ein Framework (viele unterschiedliche Methoden zu einem Gesamtkonzept zusammengefügt), dass Firmen dabei unterstützt in die Welt der Selbstorganisation einzusteigen. Mit diesem Hintergrund bin ich 2015 in die Selbstständigkeit gestartet.

Nachdem das Holacracy System auch nicht ausreichend gehalten hat, was es versprochen hat, habe ich weitergeforscht. Seit 2022 habe ich stolz das System #AdaptiveOrgs mit dem ich Führung und Organisationsentwicklung bei KMU’s unterstütze.

Welche Erfahrung hast du im Hinblick auf deine Arbeit mit „Hybrid Work“?

Hybride Zusammenarbeit spielt bei mir bereits seit 2017 eine wichtige Rolle. Da meine Kunden überall im deutschsprachigen Raum zuhause sind, begann ich schon früh, mich mit Remote-Arbeit auseinanderzusetzen. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem Kollegen, im Jahr 2022. Wir haben dabei festgestellt, dass wir uns kein einziges Mal in Person gesehen haben, obwohl wir fast über 3 Jahre zusammengearbeitet haben. Und es ist uns nicht einmal aufgefallen.

Als Corona im März 2020 ausbrach, steckte ich gerade in zwei großen Transformationsprojekten. Meine Kunden merkten schnell, dass sie sich auf meine Erfahrungen in Sachen Remote-Zusammenarbeit verlassen können. Ich war und bin bis heute dankbar, dass ich bereits vor der Pandemie mit hybriden Settings gearbeitet habe und somit Unternehmenstransformationen passend begleiten konnte.

Was sind deine Top-Tipps damit Teams hybrid gut zusammenarbeiten?

Das Wichtigste vorneweg ist, dass Unternehmen sich damit aktiv auseinandersetzen. Es reicht nicht, einfach den Status Quo ins Homeoffice zu verlagern. Klar, das ging in der Zeit, wo Corona wie ein übermächtiges Argument im Raum stand. Aber Post-Virus sehen wir viele Firmen, die jetzt genau mit dieser Strategie Probleme bekommen. Folgende Tipps geben hier ein gewisses Framework:

1. Das Hybride-Setting aktiv angehen
Jeder Betrieb ist einzigartig. Das Zusammenspiel aus Menschen, Technik, Organisation, Raum, Partnern, Lieferanten, Kunden, usw. ist komplex. Das bedeutet übersetzt, es gibt hier keine Best Practice Beispiele, sondern nur Good Practice. Diese sollten keinesfalls 1:1 übertragen werden. Das ist ein nicht zu unterschätzender Sachverhalt für Unternehmer:innen. Denn darin liegt in Zukunft ein wesentlicher Produktivitätskiller – oder -Booster, im Vergleich zum Wettbewerb.

2. Das Hybrid Setting muss Chefsache sein!
Es gibt, wie bereits erwähnt eine starke Abhängigkeit zwischen Mensch, Technik, Organisation, Raum, Ausstattung usw. Hier ist es von enormer Wichtigkeit, diese Abhängigkeiten beim Erarbeiten der individuellen Hybrid-Lösung zur beachten. Dabei wird ein Fehler oft wiederholt – sie sprechen mit Lieferanten aus unterschiedlichen Gewerken und kaufen Bausteine ein, die sie dann selbst zusammenfügen. Hier ein Bildschirm, dort eine Software und ein paar neue Büromöbel. Im schlimmsten Fall werden die Sachen über den Einkauf beschafft, und die Mitarbeitenden vor vollendete Tatsachen gestellt. Die Wahrscheinlichkeit, damit eine Bruchlandung hinzulegen ist groß.

Damit ein Organisationsentwicklungsprojekt passend umgesetzt werden kann, geht nur ein Weg, und zwar – Bottom-Up – denn die Mitarbeiter kennen Ihre Bedürfnisse am besten.

3. Im Prozess müssen die unterschiedlichen Erfordernisse der Teams Platz finden.
Das Zusammentreffen im Büro, die informellen Gespräche an der Kaffeemaschine kompensieren viele Fehlfunktionen in der Unternehmenssteuerung bzw. -führung. Das ist kaum einer Führungskraft bewusst. Aber dieser Aspekt darf nicht unterschätzt werden. Fällt diese Kompensation weg, weil sich die Menschen weniger sehen, klafft eine Orientierungs- und Koordinationslücke. Diese Lücke kann relativ einfach durch mehr Systematik im Führungssystem abgefangen werden. Klarheit und Orientierung zu schaffen bei den Teams ist eine der wichtigsten Aufgaben von Führungskräften im Hybriden Setting. Und das vor Allem über klare Rahmenbedingungen, denn die direkte Führung von Mitarbeitern ist im hybriden Setting ineffizient.

4. Das Führungsverständnis und -system muss als Teil des hybriden Settings angepasst werden.
Unternehmen sind Beziehungsgeflechte. Stabile Beziehungen bedeuten eine stabile Organisation. Während vor allem die sachliche Ebene, sprich das Erzeugen von Arbeitsergebnissen durch passende Methoden und Technologie im Home-Office gut funktioniert, leidet der Beziehungspart. Dieser muss im hybriden Arbeitsumfeld aktiv gestaltet werden. Hier kommen wieder die Führungskräfte ins Spiel. Ihre Aufgabe ist es, dafür Rahmenbedingungen zu entwickeln und die Teams entsprechend zu unterstützen. Hier ist das Investment in neue Bürowelten angesiedelt. Damit kann die Wir-Kultur gezielt gefördert werden.

5. Beziehungen müssen aktiv gestaltet werden und den Rahmen dafür zu kreieren ist eine neue Führungsaufgabe.
Wenn ein:e Unternehmer:in das so liest, kann schon der Gedanke aufkommen, auf diesen Aufwand zu verzichten. Besser alle zurück ins Büro. Ich rate, diesen Gedanken schnell beiseitezulegen. Die Mitarbeitenden sich an das so oft erwähnte „Neue Normal“ gewöhnt. Und für neue Mitbewerber ist es gar keine Frage, dass sie hybride oder sogar komplette Remote-Jobs anbieten. Betriebe, die das nicht bieten, schießen sich direkt aus dem Bewerbermarkt. Da fange ich bei mir selbst an. Ich werde in Zukunft keine Aufträge annehmen, die einen 100%ige Präsenz von mir verlangen. Das passt nicht mehr in mein Leben. Ich denke, da bin ich nicht der einzige Unternehmer, der so tickt. Auch Unternehmer:innen gewinnen durch Hybride-Arbeit an Lebensqualität dazu.

6. Es nicht zu machen, ist für mittel- und langfristigen Erfolg keine Option.
Da war doch was? Das nennt sich Klimaerwärmung. Neben all den unternehmerischen Argumenten geht es dazu um das größere Ganze. Mehr Remote Arbeit bedeutet weniger Straßenverkehr, weniger Emission, geringerer Flächenfraß. Ich erwarte, dass sich dieser Grund in der Zukunft als gewichtig herausstellen wird. Der Druck aus der Öffentlichkeit steigt und das nimmt noch zu. Und wir können davon ausgehen, dass ganze Generationen als mögliche Mitarbeitende wegfallen, weil sie den Planeten nicht weiter schädigen wollen. Das klingt weit weg? Für mich ist der Trend realistisch.

7. Der Planet wird es uns danken, wenn wir mehr aus dem Home-Office arbeiten.
Der Begriff Hybrid deutet an, dass es sich um etwas Vermischtes handelt, dass sich aus zwei oder mehr Komponenten zusammensetzt. Das Gegenteil ist demnach Eindeutigkeit. Wenn wir den Gedanken weiterspinnen, dann ist das Eindeutige, aus dem wir kommen, die Situation, dass Arbeit an einem definierten Ort stattfindet, an dem sich die Menschen tagtäglich treffen. Übersetzen wir das auf Hybrid, vermischt sich diese Präsenz an einem Ort mit einer zweiten Arbeitsform. Der Arbeit abseits eines zentralen Ortes.

Ob dieser zweite Ort das Home-Office, ein weiterer Standort, ein Kaffeehaus oder eine Strandvilla ist, ist sekundär. Hybride Formen sind meiner Erfahrung nach, die größte Herausforderung. Sie sind komplex, müssen viele Erwartungen unter einen Hut bringen.

Die höchste Komplexität stellen hierbei Workshops dar, wo beide Welten aufeinanderprallen. Einerseits die Menschen, welche aus dem Remote Setting in den Präsenzbereich wechseln, wie auch umgekehrt. Hier braucht es Experten, welche diese Workshops begleiten.

Wie sieht Hybrid Work in der Zukunft aus?

Langfristig erwarte ich mir, dass es wieder in Richtung Eindeutigkeit geht. Allerdings in die andere Richtung. Das bedeutet, dass mehr und mehr Unternehmen zu Remote-First Organisation werden. Diese haben kein fixes Büro mehr. Die digitale Zusammenarbeit ist Standard, sich treffen ist die Ausnahme. Ich bin neugierig, was das in der Breite der Gesellschaft für Folgen hat.

Für die sachliche Wertschöpfung reicht diese Arbeitsform vollkommen aus. Die Beziehungen werden sich wieder mehr ins Privatleben verlagern. Heute haben viele ihre Freunde bei der Arbeit, weil sie dort die meiste Zeit miteinander verbringen. Bleiben wir gespannt, was die Zukunft bringt.

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